Berichte

Auszüge aus Büchern

Friedrich Schmidt “Die Entstehung der Neustadt Erlangen”, 1913

Seite 70:
“Auch im nördlichen Stadtteil schritt 1687 die Bautätigkeit fort. Hier entstand als südlicher Abschluß der Häuserzeile Collivaux etc. das Richthaus von Isaac Pelloutier (später Martel), Hauptstr. 33, durch Umbauten nach einem Brand im 19. Jahrhundert leider stark verändert, wie das häßliche Schieferdach und das Fehlen der Dachaufbauten beweisen.”
Anmerkung hierzu: Schanz 2 Seite 87 nennt als Hausbesitzer “Monsieur Martel ministre”, als einen der Mieter “Jaques Pelotier, facturier en bas”. Francois Martel, seit 1695 Prediger an der französich-reformierten Kirche, war auch der Erbauer der Hülsenmühle.

Seite 71:
“Von Details möge besonders das Portal am Hause Pelloutier erwähnt werden, da es von einem Vorbau mit zwei toskanischen Säulen, Triglyphenfries und verkröpftem Segmentgiebel umrahmt ist. Das Oberlichtgitter seiner Haustüre zeigt eine reizvolle Schmiedearbeit; ebenso das Geländer des Balkons, der das 1. Obergeschoß auf der Südseite belebt*. Beide Gitter enthalten in reicher barocker Ornamentik die kunstvoll verschlungenen Initialen Christian Ernsts mit der Markgrafenkrone darüber.”

Anmerkung: *”Von diesem Balkon aus nahm nach dem Bericht der Chronik des städt. Archivs von 1790 Markgraf Georg Wilhelm am 12. Juni 1712, also kurz nach seinem Regierungsantritt, den Huldigungseid der Bürgerschaft entgegen.”

Aus “Erlanger Heimatblätter Nr. 46 vom 17.November 1923″

“Aus der Erlanger Markgrafenzeit.
Die Huldigung im Jahre 1712.”

In der im Erlanger Stadtarchiv aufbewahrten Erlanger Chronik enthält der Faszikel 8 Berichte über den “Auffenthalt gnädigster Landesherrschaft und Ankunft anderer königl. und fürstlicher Personen”. Ein Abschnitt davon ist überschrieben “Von denen Durchlauchtigsten Landes- Fürsten in hiesiger Stadt eingenommenen Huldigungen”. Daraus ist der Bericht über die Huldigung Erlangens im Jahre 1712 entnommen, der in Folgenden zum Ausdruck kommt und eine wertvolle Ergänzung bildet zur Darstellung dieser Huldigung in den Aufsatze “Aus alten Ratsprotokollen” von Frl. L. Schmidt- Herrling in den Erlanger Heimatblättern 1921, Nr. 10, 11 und 12.

“1712 den 12. Juni. Ihre Hochfürstl. Durchl. H. Marggraf Georg Wilhelm, haben die Huldigung allhier, in höchster Person eingenommen. Die Huldigungspredigt hielte in der Sophienkirch H. Hofprediger Stark; nach der Predigt begaben sich Serenissimus in das große auditorium der Ritteracademie, und setzten sich unter einen Baldachin; Ihnen zur linken Hand stunden des Herren Marggrafen Carl August Durchl. H. Geh. Rath von Nauendorff hielte eine Anrede; der H. Geh. Secretarius las den Eyd vor, worauf das Justiz Collegium, die Geistlichkeit beider Städte (Altstadt u. Neustadt), der Richter aus der Altstadt, beide Raths- Collegia und übrige Honoratiores den Eid ablegten, und daruf zum Handkuß gelassen wurde.
Serenissimus begaben sich alsdann in das Martellische Haus, L.B. Nr. 105, und auf den an solchen befindlichen eisernen Balcon, welcher mit schwarzem Tuchumhängt war. Herr Geh. Rath von _Nauendorff hielt dann die auf dem Markt versammelte Bürgerschafft beider Städte einen Anrede; Commissarius Schwartz las den Eyd ab, welchen die Bürgerschaft ablegte und mit einem Vivat ! begleitete, Serenissimus giengen in gleicher Absicht von hier nach Neustadt an der Aisch”.
Am Martellschen Haus, heute Hauptstraße 33 (Buchhandlung Krische), ist der Balkon noch erhalten, von dem aus die Huldigung am 12. Juni 1712 entgegengenommen würde. Das schmiedeeiserne Gitter des Balkons zeigt wie das Oberlichtgitter an der Haustüre das verschlungene Monogramm des Markgrafen Christian Ernst mit der Markgrafenkrone darüber. Das Haus wurde 1687 von Isaac Pelloutier erbaut; später kam es dann in den Besitz des franz.-reformierten Predigers Francois Martel.
Dr. E. D. (= Ernst Deuerlein)

Anmerkung: Der Gründer der Neustadt Erlangen, Markgraf Christian Ernst, starb am 10. Mai 1712 im Schloß zu Erlangen im Alter von 68 Jahren. Sein Nachfolger wurde der bisherige Erbprinz Georg Wilhelm.

 

Aus “Erlanger Heimatblätter Nr. 9 vom 13. September 1950” Erlangen Neustadt.

Erlanger Plätze und Anlagen
3. Schloß- und Marktplatz
b) Marktplatz

Auszug:

“Zum Marktplatz gehören auch noch gewissermaßen die zur Helm- bezw. Paulistraße zählenden Eckhäuser Helmstr. 1 bezw. Paulistr. 2. Helmstraße 1, jetzt Bayerische Vereinsbank, wurde 1699 erbaut, Paulistraße 2, ehedem die Gastwirtschaft “Zum schwarzen Adler”, erst 1707. Das die Nordfront des Marktplatzes einnehmende Haus ist das Anwesen Hauptstraße 33. Der östliche Teil mit dem Balkon ist eines der alten Richthäuser; es wurde 1687 errichtet. Nach dem tode des Markgrafen Christian Ernst (gestorben 1712 im Erlanger Schloß) erfolgte vom Balkon aus die Vereidigung der Bürgerschaft auf den neuen Markgrafen Georg Wilhelm anläßlich der Huldigungsfeier. Den Flügelbau nach Westen zu haben wir uns ursprünglich zweigeschossig vorzustellen; doch wurde er schon frühzeitig dreigeschossig aufgebaut. Das Schieferdach wurde geschaffen, als vor rund 110 jahren ein Brand das Dach zerstört hatte. Das Haus beherbergte übrigens damals auch einen Vorläufer der jetzigen höheren Mädchenschule, das Mädchen-Institut für höhere Stände “der Geschwister Sommer”.

gez. Deuerlein

 

Aus “Erlanger Heimatblätter Nr. 12 vom 13. Dezember 1950

Heimatpflege in Stadt und Land
(Mit besonderer Berücksichtigung der Neustadt Erlangen)
Auszug:

“Bedauerlicherweise brannte etwa Mitte des vorigen Jahrhunderts das Richthaus (Krische) ab. Beim Wiederaufbau hat man auf die zu jedem Richthaus gehörigen zwei Dacherker verzichtet und das Haus außerdem mit Schiefer gedeckt. Auch der Giebel des westlichen Teiles des Hauses (mit Neupertschen Geschäft) wurde nicht mehr aufgebaut. Am 29. November 1950 brannte erneut der Dachstuhl des Anwesens Neupert-Krische (Hauptstr. 33) ab. Jetzt hätte die Stadt Erlangen nicht nur eine einmalige günstige Gelegenheit, eine alte schwere Bausünde zu beseitigen durch die Wiederherstellung des alten Ziegel- an Stelle des ortsfremden Schieferdaches, sondern es könnte durch den Wiederaufbau der ehemaligen Giebel gleichzeitig zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden.”

Dr. Rühl